Herzgesundheit in der Perimenopause: Was du wissen und einfordern kannst
Frauen erleben Herzprobleme anders. Dieser Leitfaden hilft dir, die richtigen Fragen zu stellen – und bei der Diagnose hartnäckig zu bleiben.
Bei akuten Beschwerden: Notruf 112. Atemnot, Brustenge, Schmerzen in Arm, Kiefer oder Rücken, Schwindel mit Übelkeit – lieber einmal zu viel rufen als zu wenig.
1. Typische Symptome – und warum sie oft übersehen werden
Frauenherzen schmerzen anders. Keine starken Brustschmerzen bedeutet nicht: kein Herzproblem. Diese Symptome können auf ein kardiales Problem hinweisen – auch wenn sie sich „harmlos" anfühlen:
• Erschöpfung ohne Erklärung • Atemnot bei leichter Belastung • Druck oder Engegefühl in der Brust • Herzrasen / Herzstolpern • Schmerzen im Rücken oder Kiefer • Übelkeit / Schwindel • Schweißausbrüche (nicht nur Hitzewallungen) • Unklare depressive Verstimmung
Quelle: Deutsche Herzstiftung, American Heart Association.
2. Welche Untersuchungen du einfordern kannst
Besonders relevant bei unauffälligem Basis-EKG oder normalen Blutwerten.
Ruhe-EKG + Langzeit-EKG (Basis)
Herzrhythmus und Erregungsleitung. Das Langzeit-EKG erkennt seltene Aussetzer, die im Ruhe-EKG nicht auftauchen.
Belastungs-EKG / Ergometrie (einfordern)
Zeigt die Herzversorgung unter körperlicher Belastung und deckt Ischämie auf, die im Ruhe-EKG unsichtbar bleibt.
Herzecho / Echokardiographie (einfordern)
Herzstruktur, Pumpfunktion und Klappenzustand – ohne Röntgen und ohne Kontrastmittel.
Stress-Echo oder Stress-MRT (bei Verdacht)
Belastungssimulation mit bildgebender Kontrolle. Macht Durchblutungsstörungen sichtbar.
Kardio-MRT (CMR) – Key bei MVD-Verdacht
Goldstandard für Herzmuskel und Mikrozirkulation. Erkennt Small Vessel Disease, die im klassischen Angiogramm unsichtbar bleibt.
Koronare Flussreserve (CFR/IMR)
Misst die Funktion der kleinen Herzgefäße – Goldstandard für mikrovaskuläre Dysfunktion. Dafür brauchst du eine:n Spezialist:in.
CT-Angiographie (bei Risikofaktoren)
Zeigt Kalkablagerungen in den Koronararterien – und damit Risiko noch vor Symptomen.
Blutbild: Troponin, BNP, Lipide, HbA1c (Basis)
Herzbelastungsmarker und Stoffwechselrisiken, die ab der Perimenopause ansteigen können.
3. Fragen fürs Arztgespräch
Für mehr Sensibilität für Small Vessel Disease und mikrovaskuläre Angina – beides in der Perimenopause besonders häufig und im Standard-Angiogramm nicht sichtbar.
„Könnten meine Beschwerden auf eine mikrovaskuläre Angina oder Small Vessel Disease hindeuten – auch wenn das EKG unauffällig war?"
„Welche Untersuchungen erkennen Probleme in den kleinen Herzgefäßen – ein normales Angiogramm schließt das doch nicht aus, oder?"
„Ich bin in der Perimenopause. Wie verändert der Östrogenabfall mein kardiovaskuläres Risikoprofil konkret?"
„Ich nehme HRT. Beeinflusst das meine Herzgefäße – positiv oder negativ?"
„Meine Erschöpfung und Atemnot kommen auch in Ruhe. Könnte das ein Zeichen für Herzinsuffizienz mit erhaltener Pumpfunktion (HFpEF) sein?"
„Kann ich auf eine:n Kardiolog:in überwiesen werden, der/die Erfahrung mit Herzerkrankungen bei Frauen hat?"
„Welche Blutwerte sollte ich regelmäßig kontrollieren – Troponin, Lipide, Blutzucker?"
4. Hartnäckig bleiben – konkrete Strategien
Was tun, wenn die Diagnose nur „Wechseljahre" lautet?
Symptomtagebuch führen
Schreib Intensität, Dauer, Tageszeit und Auslöser auf. Wann tritt die Erschöpfung auf? Belastungsabhängig oder in Ruhe? Konkrete Daten sind schwerer zu ignorieren als vage Beschreibungen.
Direkt benennen statt umschreiben
Sag explizit: „Ich möchte ausgeschlossen haben, dass das eine kardiale Ursache hat." Das aktiviert eine andere Reaktion als „mir geht es nicht gut".
Zweitmeinung einfordern
„Ich möchte zur Sicherheit noch eine kardiologische Einschätzung einholen." Das ist kein Misstrauen – das ist eigenverantwortliche Gesundheitsversorgung.
Frauenherzsprechstunden nutzen
An deutschen Unikliniken (Charité Berlin, LMU München, UKE Hamburg) gibt es spezialisierte Ambulanzen für Herzerkrankungen bei Frauen. Dort wird Small Vessel Disease aktiv mitgedacht.
Wenn das Angiogramm „normal" war: nachhaken
Ein normaler Befund schließt Small Vessel Disease nicht aus. „Die kleinen Gefäße sind im Angiogramm nicht sichtbar – haben Sie die mikrovaskuläre Funktion getestet?"
Wearable-Daten mitbringen
HRV, Herzrate im Schlaf, Sauerstoffsättigung – Muster über Wochen sind klinisch relevanter als eine Momentaufnahme im Wartezimmer. Bring die Daten ausgedruckt oder als Screenshot mit.
Dieser Leitfaden ersetzt keine ärztliche Diagnose. Er soll helfen, informierter ins Gespräch zu gehen.
Quellen: Deutsche Herzstiftung; American Heart Association (AHA); European Society of Cardiology (ESC); aktuelle Forschung zu Small Vessel Disease bei Frauen.